Er ist 15 Kilogramm schwer, kaum grösser als eine Schuhschachtel und zeichnet private sowie öffentliche Leistungen im Bereich der Baukultur aus: Der seit 2015 jährlich verliehene «Goldene Schemel» des Heimatschutzes St.Gallen / Appenzell Innerrhoden. Mit diesem Preis würdigen wir den sorgfältigen Umgang mit Bauten, Lebens- und Landschaftsräumen der Region.
Mit dem goldenen Schemel zeichnet der Heimatschutz St.Gallen / Appenzell Innerrhoden Einzelpersonen, Gruppen, öffentliche Stellen und Institutionen aus, die sich in besonderem Masse für gute Baukultur einsetzen. Vergeben wird der Preis seit 2015 dank eines privaten Sponsors. Die Künstlerin Katalin Deér erfand den Schemel aus Bronze und gestaltet jährlich ein neues Einzelstück, das von der Kunstgiesserei im St. Galler Sitterwerk gegossen wird. Die Auswahl der jährlich vergebenen Auszeichnung trifft eine eigens konstituierte Jury.
Jakob Ruckstuhl, Präsident Heimatschutz St.Gallen / Appenzell Innerrhoden
Natalia Bezzola, Speicherschwendi AR
Werner Binotto, Architekt BSA/SIA, Altstätten SG
Daniel Cavelti, Architekt ETH/SIA, St. Gallen
Dr. Christa Koeppel, Historikerin, Widnau SG
Carlos Martinez, Architekt FH/SWB/SIA, Berneck SG
Agatha Nisple, Kulturvermittlerin, Appenzell
Dr. phil. Peter Röllin, Kultur- und Kunstwissenschaftler, Rapperswil SG
Monika Ebner, Trogen AR
Das St. Galler Theater am Rand des Stadtparks ist ein unbestritten wichtiger Zeitzeuge der Brutalismus-Architektur. 1968 eingeweiht und vom Architekturbüro Paillard, Cramer, Jaray und Leemann geplant, gilt das Haus als Hauptwerk des Architekten Claude Paillard (1923–2004). Er war ein Meister der dreidimensionalen Architektur. Das zeigt sich im konsequent in Sechsecken geplanten Haus. Paillard legte das Hexagon als Grundform des Zuschauerraums fest und zog es als Gestaltungselement bis in die Details des Innenausbaus weiter.
Auch von seiner Lage im städtischen Umfeld ist der Bau von herausragender Bedeutung: Er steht als repräsentatives Gegenüber der Tonhalle, öffnet sich aber am Rand des Stadtparks. Zu den älteren Gebäuden an der Rorschacherstrasse ist er kleinteiliger gestaltet.
Bei der von den Stimmberechtigten des Kantons bewilligten und 2024 abgeschlossenen Sanierung des St. Galler Theaters ging es um technische Erneuerungen für den Betrieb und um die Schaffung zeitgemässer Arbeitsbedingungen. Dafür mussten mehr Flächen erstellt werden. Dabei hat das in einem Planerwahlverfahren ausgewählte St. Galler Architekturbüro Gähler, Flühler, Fankhauser nicht etwa einen separaten Neubau in heutiger Architektursprache entwickelt. Vielmehr liessen sie in der Nordwestecke einen kleinen Teil des bestehenden Gebäudes abbrechen und die Erweiterung nahtlos und in der Architektursprache des Originals bauen. Dies sei, so sagt Bernhard Fühler in der Baudokumentation, nicht nur eine interessante, sondern «eine ausserordentlich interessante Aufgabe» gewesen.
Die Sanierungsarchitektinnen und -architekten haben den Bau nicht nur subtil ergänzt, sie haben ihm auch wieder zur ursprünglichen Ausstrahlung verholfen. Dazu haben sie das lange Vordach abgebrochen, das Claude Paillard erst spät zum Projekt hinzufügte, weil der Zeitgeist damals einen wettergeschützten Zugang für die mit dem Auto vorfahrenden Besucherinnen und Besuchern verlangte. Der Theaterbau hat jetzt eine deutlich stärkere plastische Präsenz. Dreht man sich zur Tonhalle, so erklärt sich, was Claude Paillard damals wollte: Zwei prägenden Gebäude aus verschiedenen Zeiten, die miteinander «reden» und die jetzt an einem neuen Platz stehen.
Ein wichtiger Beitrag zum Erscheinungsbild des Brutalismus-Bau ist die sorgfältig restaurierte Betonfassade, die bei einer Sanierung 1999 einen monoton und flächig wirkenden Schutzanstrich bekommen hatte. Zentimeter für Zentimeter wurde dieser sogenannte Poren-Lunker-Verschluss mit Wasser-Jets abgetragen. So kam der beim Bau vor Ort gemischte Beton mit seinen unterschiedlichen Farben wieder ans Licht. Das Theater hat jetzt wieder seine originale, lebendig wirkende Sichtbetonfassaden.
Im Innern erleben Besucherinnen und Besucher das alte Haus. Alles ist unsichtbar technisch aufgefrischt und die Sitze mit nachgewobenen Stoffen neu gepolstert. Vor allem haben Künstlerinnen und Künstler und die Mitarbeitenden zeitgemässe Arbeitsräume bekommen.
Die Theatersanierung ist aussergewöhnlich, denn sie vertraut dem Bestand. Der Heimatschutz lobt diese Haltung, die Qualitäten erkennt, schätzt und stärkt und das sorgfältige, unaufgeregte und einfühlsame Weiterbauen pflegt. Dieser präzise und sorgfältige Umgang mit der St. Galler Architekturikone verdient die Auszeichnung mit dem «Goldenen Schemel» des Heimatschutzes St. Gallen/Appenzell Innerrhoden.



Einfühlsames Weiterbauen: Heimatschutzpreis «Goldener Schemel» für die Sanierung des St.Galler Theaters
Die Sektion St.Gallen / Appenzell Innerrhoden des Schweizer Heimatschutzes verleiht jedes Jahr den «Goldenen Schemel» für gute Baukultur – eine 15 Kilo schwere, in Bronze gegossene Auszeichnung. Am 29. November ging diese Auszeichnung an die Architekturwerkstatt St.Gallen, eine Abteilung der Fachhochschule Ost.
In seiner Laudatio blendete Architekt Carlos Martinez zuerst zurück: Während die Architekturbüros früher oft klagten, dass junge Leute aus der Ostschweiz, die ihr Architekturstudium in Winterthur oder Zürich absolvierten, nach der Ausbildung nicht mehr in die Region zurückkehrten, sei dies dank der Architekturwerkstatt heute deutlich anders. Inzwischen treten Absolventinnen und Absolventen der St.Galler Bildungsstätte in den regionalen Architekturbüros in Erscheinung und tragen ihr erworbenes Wissen in die Region hinaus. Sie seien die eigentlichen Botschafterinnen und Botschafter der Architekturwerkstatt.
Dieser Erfolg ist nicht zuletzt dem politischen Engagement verschiedener St.Galler Kantonsparlamentarier und der damaligen Leitung der Fachhochschule St.Gallen zu verdanken. Seit der Gründung der Architekturwerkstatt leitet Anna Jessen vom Architekturbüro jessenvollenweider, Basel, den St.Galler Studiengang, der sich von anderen Ausbildungswegen in vielen Punkten unterscheidet. Die Studierenden lernen hier sehr rasch den Umgang mit Raum, Masse und Körper. Dazu sitzen sie unter anderem an Nähmaschinen oder stechen Linolschnitte mit Stadtgrundrissen. Diese haptische Ausbildung falle bei heutigen jungen Menschen auf fruchtbaren Boden – gerade weil sie hier einen Kontrast zur digitalen Welt erleben, in der sie sich sonst oft bewegen. Die Studierenden lernen aber auch die Herstellung von Materialien kennen, mit denen sie im Beruf später arbeiten, mit Besuchen in regionalen Textilbetrieben, in der Backsteinfabrik oder in einer Sägerei. Schliesslich legt die Architekturwerkstatt auch grossen Wert auf die Sozialkompetenz der Studierenden: Teamarbeit ist in der Ausbildung wichtig.
In den Räumen in der St.Galler Hauptpost spüre man förmlich diese Atmosphäre und Begeisterung, lobte Carlos Martinez. Hier werde eine Baukultur gefördert, von der auch die regionalen Architekturbüros profitieren. Damit habe sich die Architekturwerkstatt innert kurzer Zeit als Kompetenzzentrum einen festen Platz «im Pantheon der Schweizer Architekturschulen» gesichert.



Heimatschutzpreis «Goldener Schemel» 2023 geht an die Architekturwerkstatt St.Gallen
Medienmitteilung vom 30. November 2023
Der von der Heimatschutz-Sektion St. Gallen / Appenzell Innerrhoden vergebene «Goldene Schemel» wurde am 16. Februar 2023 dem Abwasserverband Altenrhein übergeben. Diese Auszeichnung für besondere baukulturelle Leistungen lobt dieses Mal die sorgfältige Erweiterung der Kläranlage im sensiblen Ufergebiet des Bodensees.
Strengere Gewässerschutzvorschriften machen die Erneuerungen der Abwasserreinigungsanlagen (ARA) nötig. Dieser technisch bedingte Ausbau war für die Geschäftsleitung des Abwasserverbandes Altenrhein der Anlass, die Erweiterung der Infrastrukturbauten präzis planen und gestalten zu lassen und die bestehenden Anlagen zu pflegen. Damit agierte der Verband in zweierlei Hinsicht vorbildlich: Als eine der ersten Kläranlagen der Schweiz konnte die ARA Altenrhein die sogenannte vierte Reinigungsstufe – eine leistungsfähige Verfahrenskombination von Ozonierung und Filtration mit granulierter Aktivkohle – in Betrieb nehmen. Damit ist es möglich, die Mikroverunreinigungen durch Pestizide und Arzneimittel zu beseitigen. Für die Gestaltung der Infrastrukturbauten beauftragte der Verband ein kompetentes Architekturbüro.



Zum sechsten Mal wurde am 8. Januar 2022 der «Goldene Schemel», eine von Bildhauerin Katalin Deér geschaffene Kleinbronze, verliehen. Mit dem vom Heimatschutz St.Gallen / Appenzell Innerrhoden 2015 geschaffenen Anerkennungspreis für Baukultur wird die Gemeinde Mels SG für ihre vorbildliche und beispielgebende Zentrumsentwicklung ausgezeichnet.
Die Jury der Auszeichnung «Goldener Schemel» ehrt die Gemeinde, der es unter ihrer engagierten Führung gelungen ist, eine für das Dorf ungünstige Entwicklung mit einer professionellen Zentrumsplanung ins Gegenteil zu rücken. Der frühen positiven Weichenstellung mit dem Kauf von fünf Grundstücken sowie dem langen Atem bei der Umsetzung dieses Prozesses ist diese Glanzleistung mitten im geschützten Dorfkern zu verdanken.
Mit Blick auf die architektonische Qualität gilt der Award der Gestaltung des Dorfplatzes mit dem Gemeinde- und Kulturzentrum «Verrucano», aber auch der Einbindung der viergeschossigen Rathauserweiterung durch das Architektenteam raumfindung architekten, Rapperswil. Als Impuls und Wertschöpfung regionaler Beteiligung ist «Verrucano» einzigartig. Die Auszeichnung Gold ist Farbe des Erfolgs und Wohlstand, aber auch Sinnbild für höchste Wertigkeit und Eleganz. «Verrucano» ist beste Währung für dörfliche wie städtische Lebensräume in einer sich ständig wandelnden Kulturlandschaft.
«Verrucano», Dorfplatz und Rathauserweiterung sind beispielgebend dafür, wie ein Dorf, ihre Bürgerinnen und Bürger, am grossen Transit von A3 und Eisenbahn mit ausserordentlicher Qualität Stärke schafft und damit örtliche Identität in einmaliger Form begünstigt. In diesem Sinne sind Engagement und Umsetzung auch Vorbild für alle anderen ländlichen und städtischen Gemeinden in der gesamten Ostschweiz und darüber hinaus.



Zum fünften Mal wurde am 13. April 2021 der «Goldene Schemel» verliehen. Der Heimatschutz St.Gallen / Appenzell Innerrhoden würdigte Gabriela Manser, CEO und Verwaltungsratspräsidentin der GOBA AG, Mineralquelle und Manufaktur in Gontenbad AI.
Die Nutzung des aus dem nahen Hochmoor stammenden Quellwassers für Bade- und Trinkkuren ist bereits für das 16. Jahrhundert nachgewiesen. Hedwig und Josef Schmidiger gründeten 1930 einen Getränkebetrieb und produzierten Limonaden, Mineralwasser und Liköre. 1956 übernahm die Familie Rita und Josef Manser-Schmidiger den Betrieb der Mineralquelle Gontenbad AG. Seit 1999 leitet deren Tochter Gabriela Manser das Unternehmen. Unter ihrer Führung wurde Goba zur heute schweizweit bekannten Marke mit rund 70 Angestellten.
2016 wurde ein von Oester Pfenninger Architekten AG geplantes zusätzliches Reservoir in Betrieb genommen, 2019 folgten ein Erweiterungsbau und der Neubau aus Holz. Fast sinnbildlich geben die Fassaden der GOBA AG von aussen den Einblick in die gänzlich in Holz geschaffenen Innenbauten frei.



Der Heimatschutz St.Gallen / Appenzell Innerrhoden würdigt mit dem goldenen Schemel 2019 den Umgang mit gebauter Industriekultur. Er zeichnet die Bischoff Textil AG für den Erhalt und die Umnutzung einer Industrieanlage aus den 50er-Jahren aus.
Gegründet wurde die Firma Bischoff-Hungerbühler & Cie. während der grössten Absatzkrise der Stickereiindustrie Ende der 1920er-Jahre durch Otto Bischoff. Während der Kriegszeit erweiterte das in St. Gallen, Degersheim und Diepoldsau tätige Unternehmen mit rund 500 Werktätigen die Produktion auch auf Damen-Regenmäntel und Schürzen (Matador) sowie Taschentücher und Vorhänge. Mit dem Kriegsende 1945 setzte eine stürmische Neuentwicklung ein. Bischoff Textil-Filialen entstanden in New York, England und Südafrika. Um Büros und Fabrikationsbetriebe zu konzentrieren, erwarb die Firma Bischoff Textil AG 1953 das zentrumsnahe Grundstück an der Bogenstrasse in St. Gallen.
Entwerfer der Überbauung waren Architekt Albert Bayer SIA und Scheitlin, Hotz & Zähner, Ingenieur, St. Gallen. Neben der Wandmalerei «Kinderfest» des in St. Gallen bekannten Kunstmalers Willy Koch besitzt die Bischoff Textil AG die aussergewöhnliche Stickerei-Sammlung und -Bibliothek, deren Grundstock der Textilfabrikant Arnold Hufenus (1853-1931) gelegt hatte.



Bereits zum dritten Mal wird 2017 «Der Goldene Schemel» verliehen. Dieses Jahr werden zwei Persönlichkeiten gewürdigt, die sich seit Jahrzehnten mit herausragendem Engagement für die Ortsbildpflege sowie für lokale und regionale Planungskultur aktiv einsetzen.
Der Heimatschutz St.Gallen / Appenzell Innerrhoden würdigt Bruno Bossart für seine Kompetenz für analytisches und ästhetisches «Durchwandern» von Orten und Ortsstrukturen, sowie für seine meist von Zeichnungen begleitete Vermittlung von Entwürfen und Visionen an Interessierte und Behördenmitglieder. Seine umgesetzten Resultate bilden ein sehr breites Werk in den Kantonen St. Gallen, Thurgau und Appenzell-Ausserrhoden.
Die Auszeichnung an Paul Knill, dem früheren Präsidenten des BSA Schweiz, gilt insbesondere seinem langjährigen Einsatz für die Erhaltung und Erneuerung der Baukultur im Wirkungsgebiet Kanton Appenzell-Innerrhoden. Bauinteressierte suchen in Appenzell die Sprechstunden des Baukultur-Arztes Knill mit Neugierde und gewinnendem Vorteil auf. Die Instanz Baukultur im Innerrhodischen verbindet sich eng mit der Person und dem Einsatz von Paul Knill.



Goldener Schemel 2017 ehrt Anwälte für Baukultur
Engagement, Diskurs, Vermittlung
Der alljährlich vom Heimatschutz St.Gallen / Appenzell Innerrhoden verliehene Goldene Schemel wurde anlässlich einer Feier im Hogar Español an Stadtplanungsamt und Kommunikation der Stadt St. Gallen übergeben. Geehrt und gestützt wird damit die positive Wende in der jahrelangen Phase von Hilflosigkeiten in der Sache Bahnhof Nord. Im aktuellen Verfahren Bahnhof Nord mit partizipativer Einbindung von Bewohnerinnen, Bewohnern, Vereinen und Interessierten sei ein zumindest für die Ostschweiz beispielhafter und haushälterischer Weg zur Qualitätsfindung stadträumlicher Entwicklung eingeleitet worden.



Goldener Schemel 2016 übergeben
Heimatschutz St. Gallen / Appenzell I.Rh., 30. November 2016
Mit dem ersten «goldenen Schemel» zeichnete der Heimatschutz St.Gallen / Appenzell Innerrhoden das Engagement der Familie Denise Ziegler und Rony Kolb aus. Der Grundbau des altehrwürdigen Wohnhauses wurde 1499 errichtet, eine grössere Erweiterung um 1730 hinzugefügt. In den späteren Jahren wurde das Haus mehrmals baulich verändert und den Bedürfnissen der jeweiligen Generation angepasst.
In den letzten fünf Jahren wurde der Bau saniert und renoviert. Nach dem Umbau, von Bänziger Lutze Arechitektur geplant und ausgeführt, vereint das Wohnhaus historische Bausubstanz mit modernen Elementen in einer bemerkenswerten Selbstverständlichkeit.
