Nach mehreren Projektänderungen sind die geplanten neuen, permanenten Verkaufsstände mit dem weit ausladenden Dach auf dem Marktplatz aus Sicht des Heimatschutzes zu gross. Gleichzeitig haben die Marktfahrer die künftigen Mieten als nicht finanzierbar kritisiert. Mit dem Vorschlag, den ständigen Markt ins Parterre des Waaghauses zu verlegen und die Stände des Wochenmarktes in der Umgebung zu platzieren, steht jetzt ein neuer Vorschlag im Raum.
Die Verlegung des ständigen Marktes ins Waaghaus kann mehrere anstehende Probleme gleichzeitig lösen: Nach den jüngst aufgetretenen Fassadenrissen braucht das historische Gebäude sowieso eine Renovation um danach wieder Teil eines attraktiven Stadtbildes zu werden. Im Zug dieser Renovation können die vor Jahrzehnten geschlossenen dritten Rundbogentore auf der West- und der Ostseite wieder geöffnet werden. Diese zusätzlichen Öffnungen werden dank ihrer zentralen Lage das Waaghaus-Erdgeschoss zu einem deutlich zugänglicheren Ort machen. Die auf alten Fotos dokumentierten dritten Tore werden auch direktere Wege ermöglichen: Von der Brühltorunterführung und aus der Parkgarage Richtung Bohl und umgekehrt – mitten durch eine attraktive Markthalle. Mit einem etwas veränderten Zugang zu den Sälen im ersten Stock kann ausserdem das ganze Erdgeschoss auf ein einheitliches Niveau gebracht werden, was die Zirkulation für die Kundinnen und Besucher wesentlich verbessert.
Ein Markt in einem gedeckten Raum ist sowohl für Kundinnen und Kunden als auch für die Standbetreiberinnen und -betreiber vor allem bei schlechtem Wetter ein Vorteil. Gleichzeitig schlägt der Heimatschutz vor, die heute vernachlässigte Fläche auf der Waaghaus-Ostseite als attraktiven Aussenplatz für ein Café oder Restaurant zu nutzen. Für den Wochenmarkt können in der unmittelbaren Umgebung, zum Beispiel beim Brunnen neben der Post Brühltor, Stände platziert werden. So kann im weiteren Bereich des Waaghauses und auf drei Seiten eine Marktstimmung entstehen.
Dank mobiler Stände und Kühltheken kann das Waaghaus-Parterre sowohl für den ständigen Markt, als auch weiterhin für kulturelle Anlässe oder saisonale Events wie den Weihnachtsmarkt genutzt werden. Die vorgeschlagene Infrastruktur reicht nach bisherigen Einschätzungen der Marktfahrer aus. Eine Unterkellerung ist nicht nötig, die historische Pflästerung kann bestehen bleiben. Mit dieser Aufwertung kann das Waaghaus wieder zu dem werden, was es ursprünglich war: Ein Handelsplatz und ein Treffpunkt, an dem Menschen zusammenkommen, einkaufen und verweilen.
Der Vorschlag «Waaghaus – Markthalle» ist beim Verein Marktfrisch auf sehr gutes Echo gestossen. Anlässlich der Präsentation an der ausserordentlichen Mitgliederversammlung vom vergangenen Mittwoch wurde die Idee einstimmig gutgeheissen.
Der Heimatschutz SG/AI setzt sich mit diesem Vorschlag für eine sinnvolle Nutzung des renovationsbedürftigen Kulturdenkmals ein. Die Kombination von Waaghaus-Renovation und neuem Standort für den ständigen Markt ist eine wichtige Investition in den historischen Bestand und eine sehr kostengünstige Gesamtlösung auch mit Blick auf künftigen Unterhaltskosten.
Der Heimatschutz SG/AI erhofft sich, dass mit diesem Vorschlag die Blockade um die Neugestaltung des Marktplatzes überwunden werden kann. Der Markt bekommt so eine neue, zeitgemässe Halle, der Marktplatz bleibt eine unverbaute, offene und für verschiedenste Anlässe nutzbare Fläche unter einem Baumdach.
Weitere Auskünfte:
Jakob Ruckstuhl, jakob.ruckstuhl(at)heimatschutz-sgai.ch (Präsident HS)
Samuel Spreiter (Mitglied Stadtgruppe HS), info(at)spreiterarchitekten.ch
Antonia Looser (Vorstandsmitglied HS), al(at)gsi-architekten.ch